Dienstag, 28. Oktober 2014

bvb 0 hannover 1 - die epische krise und die revolution

Die Zeit war gekommen. All die Lügen, all die unseriösen Geschichten sogenannter Journalisten. Ich ertrug sie nicht mehr, noch weniger als die Niederlagen der Borussia. Auch die häuften sich in letzter Zeit, nahmen ein bedrohliches Ausmaß an. Die Berichterstattung darüber jedoch war fremdgesteuert.

Ich musste aufräumen. Endlich einmal klaren Tisch machen. Von Piotr erzählen, von den Konstrukteuren erzählen, von ihrem Deal mit Hoeneß. Das hatte ich schon oft getan, keine Frage, aber die Zeit heilte keine Wunden, sie verschleierte nur die Erinnerung. Die Zeit war der Alkohol der Massen, und ließ die Vergangenheit in einem guten Licht erscheinen. Immer.

Piotr kontrollierte die Zeit, die Konstrukteure kontrollierten die Welt, und die Welt kontrollierte uns. Sie produzierte Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten. Es waren Bedrohungen, keine Verheißungen. Krankheiten, Kriege, Krisen. Die 3 K! Wer anders als die Konstrukteure, die schon immer da waren hätte sie in die Welt setzen können.

Die Konstrukteure hatten mich verraten, ich war ihr Doppelagent, und sie hatten mich benutzt. Seitdem ich Piotr 2011 getroffen hatte. Zumindest das war mir seit der Rückkehr von Reiser klar. Wer sich mit ihnen einlässt, wird stürzen. Wer sich gegen sie stemmt, wird stürzen.

„Weil immer alle stürzen“, hatte Piotr mir einmal gesagt. „Weil immer alles scheitert. Weil ihr scheitern wollt.“

Ich erinnerte mich nicht mehr an den Inhalt des Gesprächs, aber der Worte erinnerte ich mich sehr wohl. Auch er hatte mich aufgebaut, mir all die Werkzeuge für eine erfolgreiche Zukunft mit auf den Weg gegeben, nur um sie mir hinterrücks und ohne, dass ich es bemerkte, wieder aus der Hand zu nehmen.

Ich hatte mich den Konstrukteuren ausgeliefert, und mein Verein, meine Liebe, meine Borussia hatte sich den Bayern ausgeliefert. Den Kampf angenommen. Die Gelder, wie man sagt, investiert. In Beine, in immer mehr Beine und umso mehr Beine da waren, umso mehr Beine waren verletzt. Neues Geld musste her, neue Märkte mussten erschlossen werden. Es gingen schon lange keine Innovationen mehr von dem Verein aus. Sie waren nur noch ein weiterer Verein, der den Kampf mit den Bayern angenommen hatte, und scheitern würde

All die Lügen, all die unseriösen Geschichten sogenannter Journalisten. Dazu die Niederlagen, wie erst am Wochenende wieder. Diesmal daheim gegen Hannover. Jetzt die Durchhalteparolen, die freundlichen Kommentare. Alles wird gut, schrieben sie und verwiesen weiter auf das Pech, auf die Verletzten, auf das große Unglück der Vorbereitung auf eine Saison nach einer Weltmeisterschaft.

Es musste sich was ändern. Nicht bei den Medien, denn die würden sich nie ändern. Sie warteten auf den großen Knall, auf den einen schwachen Moment von Klopp. Und dann würde er fallen, würde er scheitern, „weil alle immer stürzen.“

Was also konnte man gegen diesen Sturz unternehmen? Konnte man ihn überhaupt noch aufhalten? Diesen von fremden Kräften kontrollierten Sturz? Denn natürlich steckte Hoeneß dahinter. „Kapitalerhöhung, Kagawa, Klopp! Die 3K“ hatte Piotr gesagt und mir dann die Rachepläne gesteckt.

„Es ist wie es ist. Uli hat viel Zeit, und vielleicht will er die Dinge nicht mehr ändern. Aber denk dran, er wird stärker zurückkommen. Er ist der Begründer des Lamakults. Und er bestimmt Deine Zukunft!“

Das war im frühenSeptember. Danach ging es bergab. Nur noch bergab. Die Champions League ausgenommen. Das war der Rettungsanker als der Auftrag vom Verein kam. „MachenSie die Schuldigen für die Krise ausfindig!

Längst erledigt. Deswegen kümmerte ich mich nun um die Strategie gegen die Krise.

„Lasst die Dinge einfach laufen, lasst sie einfach laufen. Redet was von Saisonzielen und wie ihr sie verfehlt. Wichtig: Bleibt in der Champions League dran. Gewinnt sie. Ihr werdet sie gewinnen, denn kein anderes Team wird an den Wochenenden so viel Kraft sparen!“, hatte ich dem BVB gesteckt.

„Was bedeutet das?“

„Steigt ab, steigt einfach ab. Die nationalen Ligen machen schon lange kein Sinn mehr. Es ist egal, ob ihr in der ersten oder in der zweiten Liga spielt. Es ist egal, ob der Gegner Kaiserslautern oder Hoffenheim heißt. Europa ist die Zukunft. Und der BVB wird die Entwicklung vorgeben. Die Bundesliga ist tot! Lasst sie das spüren. Und rockt Europa. Das ist die Zukunft.“


Piotr, da war ich mir sicher, hatten diesen Plan nicht auf dem Schirm. Die Bayern auch nicht! Es war die perfekte Revolution!

Donnerstag, 23. Oktober 2014

gala 0 bvb 4: was ich tat (als das licht aus war)



Kaum ausgeschlafen. Es wurde länger. Obwohl ich schnell bei Schill raus war. Obwohl ich in der Wohnung saß. Auf der Suche nach dem verlorenen Glück. Auf der Suche nach der verloren Spielfreude. Auf der Suche nach dem verlorenen Gegenpressing. Samstag. Der schlimmste Tag der Woche. Seit Mitte September. Erst hatte ich getrunken, erst hatte ich die Krise gesehen, die Wand, auf die der BVB gnadenlos zusteuerte. Und ich hatte gewarnt, so wie man warnen konnte. Weit vorher. Aber niemand vertraute mir. Und ich vertraute niemanden.  Hatte verspielt, sie hatten verspielt.  Wie auch immer. Meine Zeit als Ermittler ist vorbei, dachte ich in der Küche sitzend.

Im Radio liefen die Nachrichten. Immer wieder diese Schleife.

„Die Krise von Borussia….“

Die letzten Jahren schloss sich dann immer ein fröhliches „Mönchengladbach verschärft sich“ an. Aber jetzt war alles anders. Früher war vorbei. Heute war Scheiße. Und so fühlte ich mich. Wie jedes verdammtes Wochenende.

Man wird älter, man beschäftigt sich mit anderen Dingen, manchmal sogar mit dem Leben. Und auch dort gewinnt man, und verliert meist. Aber es nimmt einen nicht so mit, dachte ich kurz vor der nächsten Nachrichtenschleife. Nichts, dachte ich, nimmt einen so mit. Diese Niederlagen. Dabei ist es nur Fußball. Dabei ist es egal. Es sind nur Namen, es sind nur Farben, es sind nur Erinnerungen.

Aber wovon leben wir sonst? Alles baut auf diese Erinnerungen auf. Und würden wir sie auslöschen wollen, es gelänge uns nicht. So oft, so schwer, so hart wir es auch tranken, so mehr Nächte wir damit verbrachten, uns nicht zu erinnern, umso mehr Tage verbrachten wir damit, uns an die gescheiterten Versuche unserer Existenzauslöschung, und nichts anderes waren diese Versuche, uns in den Nächten zu betäube, zu erinnern. Und das passiert nicht nur mir, dachte ich. Und blieb doch nüchtern.

Nüchtern, nicht weil ich nicht mehr trinken wollte, denn ich wollte immer trinken, aber nüchtern, um den Schmerz zu fühlen. Um mich über diesen Schmerz lustig zu machen. Ich war der verdammte Ermittler. Ein harter Hund. Und solange es mich nicht traf, waren Niederlagen, war das Scheitern einer Idee, das Scheitern von Menschen, war der totale Zusammenbruch gut für mich.

Daran wärmte ich mich. An der Idee des Scheiterns. Egal, warum die Borussia gescheitert war, sie war es.

Ich skizzierte einen Plan für die nächste Woche. Wie es kommen würde. Wer treten würde. Wer ehrlich bleiben würde. Wer was sagen würde. Die Liste wuchs.

So weiter ich in die Zukunft blickte, umso klarer sah ich natürlich die Vergangenheit. Sah all die Momente, die geblieben waren und sah, wie es eben Momente waren. Gute und schlechte. Wendepunkte. Tiefpunkte. Höhepunkte. Einfach Punkte. Keine Punkte. Momente blieben, egal, woher sie kamen und egal, wohin sie gingen. Sie blieben. Sie waren der Begleiter unseres Lebens. Wir waren sie, und sie waren wir.

Am Sonntag erteilte mir der Verein einen Auftrag.

 „Finden Sie den oder die Verantwortlichen für die Krise“, schrieb mir der Verbindungsmann aus der Geschäftsstelle. „PS: Die Stimmung ist mies. Beil Dich!“

Natürlich nahm ich den Auftrag an. Der Verein zahlte gut. Auch so ein Phänomen: Umso größer die Sorge, umso höher die Gagen und umso besser Ermittler.

Die Verantwortlichen würden sich schon melden, dachte ich mir. Ich unternahm nichts.

Am nächsten Tag kündigte Rummenigge intensives Brainstorming an. Mein Anfang: Rummenigge. Kalle. Aber ich ging lieber im Oktoberregen spazieren, ich kühlte mich lieber runter.  So viel Krise. Da konnte man schon einmal verrückt werden.

“Krise hier, Krise da. Bin kaum da, muss ich fort. Hab mich niemals deswegen beklagt. Hab es selbst so gewählt, nie die Trainer gezählt, nie nach gestern und morgen gefragt“, sang ich und blickte von oben auf den Gesundbrunnen. Auf all die Menschen, die sich von einem Moment zum anderen Moment bewegten, bis sie irgendwann in den Dunkelheit schritten.

Der alte Kampf. Gut gegen Böse. Dunkelheit gegen Licht. Erinnernd und loslassen. Einmal loslassen. Können wir nicht, konnten wir noch nie. Und die, die vom Loslassen sprachen, klammerten sich an ihrer Erinnerung fest. Der alte Kampf. Die Menschen würden ihn nie gewinnen. Ich beobachtete das Scheitern. Und als es dunkel wurde, ging ich noch auf ein Bier zu Schill, der alles verstand, weil er alles verloren hatte.

Der Boss. Das Lied vom Fluss. Das Tal.

„Schill, die wollen, dass ich die Verantwortlichen finde“, sagte ich. „Dembo, Du sprichst in Rätseln“, antworte Schill.

„Für die Krise. Der Verein. Aber es gibt da keine Hintermänner, es gibt da keine Bösewichte. Es ist passiert. Der Verein hat Fehler gemacht. Das passiert. Und trotzdem ist nichts verloren. Ich habe irgendwann einmal gesagt, dass nichts gut werden würde. Das stimmt. Aber nur, weil nie etwas gut wird. Weil wir alle scheitern. Weil wir alle nie das erreichen, was wir erreichen wollen, weil wir es nicht können, weil es nicht in unserer Natur ist.“

„Du solltest wirklich mehr trinken“, Schill stellte mir noch ein Schulle hin.

„Hauke, was denkst Du ist Glück? Das ist doch die Frage. Was ist das überhaupt, und was hat ein Fußballverein damit zu tun? Und wieso sollte eine Krise einen nicht glücklich machen. Typen wie Dir und mir passiert das doch ständig. Wir sind obenauf, und stürzen. Und später sind wir glücklicher. Ich meine nicht dieses Steh-Auf-Wenn-Du-Am-Boden-Bist-Motiv, das ertrage ich nicht. Manchmal muss man liegenbleiben und sich umschauen, wo man überhaupt gelandet ist. Und dann kann man aufstehen. Immer diese Eile. Immer dieses sofortige Korrigieren. Mir geht das alles auf den Sack Schill. Überall diese Eile. Überall dieses Mitreden. Diese Erregungen. Diese Meinungen. Ich habe zu nichts ne Meinung. Ich schaue nur hin. Ich sehe Dinge, ich beurteile sie nicht, ich verurteile sie nicht. Ich sehe sie. Ich notiere sie in meinem Kopf. Und da sind sie dann. Fügen sich zusammen. Ich sammel sie. Ich bin ein Momente-Sammler. Deswegen wollen sie mich. Deswegen fragen sie mich nach Rat. Weil ich nicht urteile. Weil ich sehe. Und soll ich Dir sagen, was ich sehe?“

„Alter, Dembowski!“

„Ich sehe Männer in Nadelstreifen!“

„Dembowski, nicht die Nummer schon wieder.“

„Okay. Ich sehe keine Krise. Ich sehe den natürlichen Weg. Ich sehe die Fehler, aber ich sehe auch die Ruhe, die Gelassenheit. Die Bayern sind sich nicht zu blöd, sich immer noch am BVB abzuarbeiten. Immer noch.  Und was immer auch passiert: Das ist nie die ganze Wahrheit. Niemals!“

So saßen wir noch ein paar Stunden in der Kneipe.  Aber wir schwiegen.


Am Mittwoch siegte der BVB in Istanbul mit 4:0. Daran hatte ohnehin niemand gezweifelt. 

Samstag, 18. Oktober 2014

effzeh 2 bvb 1 - die meisterschaft ist durch, oder?

“Heute ist ein guter Tag!” Schill schaute Dembowski ungläubig an. Erst war der Ermittler wochenlang nicht aufgetaucht, und jetzt saß er da, trank Tee, sah die nächste Dortmunder Niederlage, und sprach von einem guten Tag.

„Das hier fühlt sich wie ein Sieg an, wie ein Wendepunkt. Ich habe so viele gute Dinge gesehen. So viele kleine, gute Dinge.“

Schill verstand Dembowski nicht.

„Hast Du nicht laut Krise geschrien, als es noch keine Krise war? Wieso verschließt Du jetzt die Augen? In der Mannschaft stimmt es nicht. Das sag ich Dir als Freund, das sag ich Dir als Hamburger. Klopp erreicht die Mannschaft nicht mehr. Er ist selbstherrlich, er ist arrogant. Immer sucht er nach Ausreden.“

Schill erzählte Dembowski von der Pressekonferenz. Der Ermittler hatte sie nicht gesehen. Er wollte sie nicht sehen. Weil es nur Worte waren. Und der Worte war er leid. Er war so vieler Dinge leid, die wenigsten aber hatten mit der Borussia zu tun, erklärte er Schill.

Doch der schaute weiter besorgt, wollte wissen, wo Dembowski gewesen war und warum er nicht dem Schultheiss frönte. Aber der Ermittler schwieg. Nicht weil er dem kauzigen Bademantelträger die Wahrheit vorenthalten wollte, sondern weil genug geredet worden war.

Der Kneipier ging erneut auf die Pressekonferenz ein. Klopp, so erzählte Schill, habe Journalisten abgekanzelt. „Die, die solche Artikel schreiben, haben keine Ahnung von Fußball, hat Klopp gesagt“, sagte Schill. „Und ich frage mich jetzt, hat der Trainer überhaupt Ahnung von Fußball und erreicht er das Team mit seinen immer gleichen Sprüchen von der Festplatte, dem Neustart, dem unangenehmen Gegner überhaupt noch? Ich bezweifele das“, sagte Schill.

„Du bist auch Hamburger. Du musst zweifeln.“

„Aber die Borussia ist doch jetzt in einer Krise. Das kannst Du doch nicht vom Tisch wischen“, sagte Schill und blickte noch einmal auf die Tabelle. „Die haben so viel Geld investiert, niemand davon spielt, und wenn nicht annähernd seiner Ablöse entsprechend. Nicht einmal Mkhitaryan, nicht einmal Aubameyang. Das zweite Jahr zählt beim BVB auch nicht mehr. Ihr habt die falschen Spieler gekauft. Ihr habt“, sagte Schill, „unter Druck die falschen Entscheidungen getroffen, und diese Fehler im letzten Jahr noch kaschieren können. Jetzt holt Euch die Realität ein. Ihr fallt. Dein Leuchtturm stürzt. Das war es!“

„Die Menschen“, sagte Dembowski und nahm noch ein Schluck Tee, „lieben das Scheitern. Die Menschen lieben die Geschichten vom Aufstieg und vom Fall. Sie begleiten Dich hoch und sie nehmen es persönlich, wenn es dir dort oben einmal schlecht geht. Sie fühlen sich angegriffen, und in ihrer Wut und ihrer Ausweglosigkeit, und, das darfst Du nicht unterschätzen, in ihrer Hilflosigkeit machen sie dich ein.“

Mittlerweile war der Ton aus. Seit einiger Zeit hatte Schill einen Plattenspieler hinter der Bar. Wenn die Jukebox mal nichts hergab, oder wenn der Ermittler kam und redete. Dann legte er ihm eine Platte auf. Und untermalte seine Nächte. Mehr konnte er nicht für ihn tun.

Und so sang Nils Koppruch seine Lieder vom Ende der Nacht. Das Jazz-Album. Fink – Fink. Das mit dem Schweigen, das mit dem Bleiben. Auch Koppruch war nicht mehr. Wie so viele der Dembowski-Helden.  Doch hier sang er noch.

„Du kannst verloren und verflucht sein, und Du kannst die Stunden zählen, die zu lang sind und dich quälen. Du weißt den Weg und auch das Ziel nicht. Und ob es Nacht oder schon Tag ist. Du hast vergessen, wo du her bist. Und ob es richtig oder falsch ist.“

Schill fand das passend und Dembowski wohl auch, den er liebte dieses Lied, dieses Album und es schmerzte ihn zu wissen, dass da nichts mehr kommen würde.

„Verloren und verflucht. Starke Worte, Schill!“ sagte der Ermittler. Er saß aufrecht, rührte in seinem Tee. „Danke!“

„So ein wenig habe ich bei euch auch das Gefühlt. Ihr habt eure Vergangenheit vergessen, ihr sucht eure Identität und ihr findet nichts. Ihr seid hilflos. Ihr habt kein Vertrauen mehr. Und ihr habt falsch eingekauft, dabei bleibe ich.“

„Ja, und die Bayern wollten es so. Die wollten Fehler provozieren. Moment, ach, ach, Fink! So weise Worte“, sagte Dembowski. Er war jetzt abwesend, hatte den Faden verloren. Und man bekam das Gefühl, dass da irgendwas anderes war, etwas Größeres. „Wir sind kein Werder Bremen“, murmelte er. Schill fand die Erklärung zu einfach. „Geld hattet ihr trotzdem genug“, sagte er.

„Schau. Wir haben einen Torwart, der sich für Manuel Neuer hält, aber der Roman Weidenfeller ist. Wir haben ein Kapitän, der nicht da ist, der so wie ich hier abschweife, immer abschweife, weil ich mich der Situation nicht stellen will, auf der Suche ist. Er will alles und vergisst vieles. Die beiden Spieler heute. Dazu fehlte uns Durm. Wir waren mit 3 Mann im Zentrum. Und Kevin wäre links gewesen, hätte Räume gerissen, hatte geackert.“

Aber das war Schill zu einfach. „Reus, Gündogan, Mkhitaryan, Kagawa, Immobile“, zählte er auf.

„Wir brauchen Zeit. Das wusste ich. Und wir bekommen keine Zeit. Das wusste ich. Die werden wir jetzt bekommen. Unter Druck. Unter Erregungsattacken der üblichen Verdächtigen. Klopp baut seine Mannschaft on the fly. Die haben so alle noch nie zusammengespielt. Die hatten keine Vorbereitung. Nicht zusammen. Und manch einer nicht einmal alleine“, sagte Dembowski.

„Aber was willst Du mir sagen?“ fragte Schill, „dass alles irgendwie gut wird. Mit der Zeit.“

„Niemand hatte jemals gesagt, dass es einfach wird. Gehofft. Klar. Aber gesagt? Vielleicht. Aber was ich heute gesehen habe, hat mir Hoffnung gemacht. Vielleicht auch nur für 10 Minuten. Aber das ist der Weg. Muss man nicht mitgehen. Aber der ist ohne Alternative“, sagte Dembowski. „Wir wirken ideenlos, wir wirken planlos, und unkonzentriert. Das waren wir auch. Aber nicht heute. Heute waren wir in der Vorbereitung. Wir verzögern. Das reicht nicht im Ligabetrieb. Nicht jetzt. Aber es wird reichen.“


„Aber die Meisterschaft ist durch, oder?“, lachte Schill, und Dembowski lachte auch. „Mach ma nen Schulle klar!“