Freitag, 19. Dezember 2014

der ermittler des jahres schlägt zurück!

Ein Sonnenstudio in Schaan. Hier entschied sich das Schicksal von Marco Reus.
Ende 2014 blieb die Lage der Borussia prekär. Der Absturz in der Liga, der zunehmend amtsmüde Trainer, dessen Gedanken, bevor sie vom Stadion eingefangen wurden, hin und wieder die Insel streiften, und die absolute Hilflosigkeit auf allen Ebenen.

„Allerdings glaube ich, dass das Leben gerecht ist. Und wenn man sich im Erfolg schlecht verhält, glaube ich, dass das irgendwann zurückkommt“, hatte Klopp irgendwann einmal gesagt, und dabei eigentlich die Bayern gemeint. Was also hatte die Borussia getan, um den vollen Zorn zu ernten?

Das blieb in diesen letzten Tagen des Jahres ein ungelöstes Problem, und es war nicht einmal das dringlichste Problem. Aus der Krise würde man sich vielleicht nicht maximal befreien können, aber die Geschichte mit dem Klassenerhalt die würde schon laufen. Dazu hatte die Borussia in beiden Wettbewerben noch berechtigte Titelhoffnungen. Und war nicht, intern zumindest, Anfang der Saison die Woche des Fußballs in Berlin als das große Ziel ausgegeben worden?

Dazu bot die aktuelle sportliche Lage auch neue Möglichkeiten. Es waren überhaupt keine schlechten. Die Geschichte vom Aufstieg nach dem Fall, das Märchen war in Wembley 2013 auserzählt, und es brauchte eine neue Geschichte, um den Mythos Borussia weiter zu verkaufen, zu vermarkten.

Seit der Niederlage in Wembley schwächelten sowohl der Verein als auch die Fans, die sich zudem immer mehr vom Tagesgeschäft abwendeten. Nicht weil sie es wollten, sondern weil sie müde waren. Sie stürzten sich mit Feuereifer an die Infrastrukturprojekte. Diese waren dringend, und duldeten auch keinen Aufschub.

Was vor einigen Jahren in Dortmund noch undenkbar war, passierte jetzt. Die Fans lehnten sich gegen die seltsamen Elemente unter ihnen auf. Sie hatten keine Lust mehr, und auch die Zeichen der Zeit gedeutet. Jeder für sich, aber fast alle richtig. Sie bekämpften die Nazis unter ihnen, indem sie nervten und nicht locker ließen. Sie überzeugten mit Argumenten und mit Taten. Die Borussia war auch längst aus ihrer Schockstarre aufgewacht, und klärte auf, bewegte sich, positionierte sich. War lange genug nicht passierte.  Dazu dokumentierten andere die Gründungsphase des BVB. Crowdfunded, und mit Leidenschaft. Es war bemerkenswert.

Doch natürlich bemerkte dies kaum jemand, denn die sportliche Situation der Borussia, und auch die immer unklarere politische Lage des Landes überlagerte fast alles. Was nur verständlich war.

Und so sah man von außen nur, was all die Maßnahmen und all die Klopp-Jahre bewirkt hatten. Ein paar Mittelfinger in Frankfurt, hängende Köpfe, ein erschöpfter Trainer: mehr hatten die Fernsehkameras von der Krise nicht einfangen können. In Berlin gab es ein wenig Geisterstimmung, ein in die Kabine verschwindenden Kapitän. Und in den Heimspielen Anspannung und in guten Momenten das brutal laute Westfalenstadion. Dieses Endprodukt, und letztendlich der Schulterschluss zwischen den Dortmunder Hauptakteuren – der Tribüne und dem Verein – war das bemerkenswerte Alleinstellungsmerkmal dieses Absturzes.

Und die Märkte kauften es. Vor allen Dingen die Nischenmärkte, in die Borussia vordringen wollte. In den Zeiten der Bayern-Dominanz war der ungewöhnliche, der branchenferne Umgang mit der Krise ein weiteres Zeichen für den großen, den echten Verein. Der Dortmunder Weg wurde weltweit bewundert, und – manchmal zwar verwundert – als ein großes Glück für den immer weniger greifbaren Fußball bezeichnet. In Singapur, in Auckland, in Sydney und in Liverpool interessierte man sich für das Schicksal der Borussia, für den Kampf. (Den mit der Identität sahen sie nicht).

Doch der große Kampf des Jahres 2014 und das größte Problem der Borussia war weiter der Fall Marco Reus. Das hatte sich durch das ganze Jahr gezogen. Und mit der Beantwortung der Frage Bayern und Borussia würde sich auch die Zukunft der Bundesliga entscheiden. Schottische Verhältnisse oder gar keine Verhältnisse mehr. Das war hier die Frage.

Dortmund hatte alles probiert. Sie hatten Puma an Bord geholt, Reus ins Gebet genommen, ihm unendliche Reichtümer und Legendstatus versprochen. Doch bislang hatte er sich nicht entschieden.

Vor einigen Monaten, noch weit bevor wir uns über den Kagawa-Transfer zerstritten hatten, war ich an Bord gegangen. Der Auftrag war klar. „Halten Sie Marco Reus! Mit allen Mitteln! Oder finden Sie eine andere Lösung!“

Gemeinsam hatten wir dann den großen USA-Plan entwickelt. Dort würde er nicht nur nicht stören, sondern vielmehr würde er dort die Borussia präsentieren, und somit innerhalb kürzester Zeit den US-Plänen der Bayern empfindlichsten Schaden zufügen. Reus verkauften wir die Geschichte natürlich anders.

Das Land der unendlichen Möglichkeiten, vom Titellosen zum Titelträger, von einem weiteren guten Fußballer zu einem Pionier, der die Landschaft des Fußballsports für immer veränderte. Das Geld, die Triumphe, die Zukunft. Er hatte es geschluckt. Und sogar Spanisch gelernt.

Aber, und das hatte ich nach meinen Ermittlungen Anfang des Jahres eben in der Hand, was Reus nie gelernt hatte: Autofahren. Das störte ihn nicht weiter. Und es war nicht an mir, darüber zu urteilen. Mir oblag es, denn den Verein hatte ich darüber – Hinterhand! – nie informiert, diese Information vernünftig und im richtigen Moment einzusetzen.

Als die Berater sich weiterhin sträubten, sich auf den USA-Vorschlag einzulassen, blieb mir nichts anderes übrig: Ich gab erst meinen Kontakten in der Stadt das Startsignal, und setzte mich mit Reiser in Verbindung. Piotr hatte mich vor langer Zeit an einem unheilvollen Tag auf der Lamafarm informiert. Er war nie gestorben, und was mir wie ein billiger Taschenspielertrick vorkam, entsprach nach einigen Recherchen der Wahrheit. Reiser lebte! In einem Sonnenstudio in Liechtenstein. In Sichtweite der Lewandowski-Berater, die, zu meinem eigenen Erstaunen, immer noch ein BVB-Trikot in ihren Geschäftsräumen ausstellten. (Aber dazu, denn die Ermittlungen laufen noch! an einem anderen Tag mehr).

Reiser lebte, und er war bereit, das hatten mir meine Informanten gesteckt. So sehr wir uns auch hassten, so sehr verband uns die Liebe zur Borussia.

„Reiser!“

Seine Stimme stockte.

„Wie hast Du mich gefunden? Alter…“

„Hör auf. Es ist so. Und manchmal denke ich an uns in der Kneipe. Du an der Jukebox. Das hatte was.“

„Ja….“

„Hör zu. Die Geschichte mit Reus. Es geht um alles. Vertragsverlängerung, USA oder Bayern. Die Berater…“

„Aber ist nicht Krise?“

Ich erzählte ihm die Geschichte von der Geschichtsschreibung, und er verstand. Dann erzählte ich ihm von meinem Plan. Er war hellauf begeistert.

„Es ist ein dreckiger Job. Und ich muss ihn tun.“

Der Plan war recht einfach. Wir wussten wie Aki funktionierte, wir wussten wie Klopp tickt, und wir wussten, dass es für Reus ohnehin einmal ein Ende finden musste.

Watzke würde sich uneingeschränkt solidarisieren, Klopp in väterlich beschützen und der Rest der Nation reflexartig draufhauen. „Fool for a day, king for lifetime“ war unser Motto. Am Ende der Geschichte würde ein neuer Vertrag stehen, und Reus hätte sogar noch ein wenig Kohle gespart.

„Die Tagessätze. Er wird es lieben. Nur, ich habe das mal überschlagen, 600.000€. Da ist ein Werbespot. Das ist ein Tor im Finale in Berlin. Haha. Genial!“

Und so kam es dann auch. Reus war mal wieder verletzt, die Borussia kriselte vor sich hin, erzählte ihre Geschichte von den unglaublichen Fans und für ein paar Tage war Reus das Gespött des Landes. Aber, und das war auschlaggebend, die Borussia stützte ihn, und niemand sonst. Bald schon würde er einen neuen Vertrag unterschreiben. Und die sportliche Krise? Über die würde man am 6. Juni im Berliner Olympiastadion ohnehin nur noch müde lächeln, wenn man sich überhaupt erinnerte.

„Nicht einmal Top-Thema!“ sagte ich zu Schill, während wir die Nachrichten schauten. Ich war gut unterwegs, und hatte mir zur Feier des Tages direkt neun Kronen reingeschraubt. Ich war ohnehin zu lange nüchtern geblieben.

Schill schaute wie immer traurig. Er trug seinen HSV Joe-Bademantel. Doch der hatte seine besten Zeiten hinter sich.

„Der HSV bräuchte einen Dembowski. Jetzt ist auch noch der Kühne weggerannt“, sagte er mir und ich zeigte ihm nicht ohne Stolz meine Urkunde: „Ermittler des Jahres 2014“. Zu dem hatte man mich ernannt, und ja, ich hatte in der Tat einen verdammt guten Job gemacht.

„Das war mein letzter großer Auftritt in Berlin!“ sagte ich zu Schill und flüsterte „in diesem Jahr“.

Als ich begleitet von Velvet Underground-Klängen aus dem Soldiner Eck trat, sang ich.

“Despite all the computations. You know, you could just dance to the rock'n'roll station. All right. All right, all right, and it was all right. Oh, listen to me now, it was all right”


Freitag, 12. Dezember 2014

warum der bvb seinen besten spieler opfern wird

Am meisten ging mir diese Marco Reus-Geschichte auf den Sack. Wie konnte eine ganze Menschheit mit verschlossen Augen durch die Welt laufen, ohne dass es zu Unfällen kam? (Das war natürlich auch erstaunlich!)

Aber warum verschlossen die Menschen ihre Augen vor der Wahrheit, die dort draußen lag wie ein von einem hastige aussteigenden Pendler, der, müde vom Tag, beinahe seinen Halt verpasste, vergessener Hut in der Ablage eines Nahverkehrszuges? Sie musste nur aufgesammelt werden. Und es war wieder einmal an mir, den Leuten ihren Dreck hinterher zu tragen.

Klar, kein Kronen vor Sonnenaufgang. Ich blieb hart! Und ohne Kronen sogar kurzzeitig nüchtern.

In diesen von Savoy Grand-Mastermind Graham Langley auf seinem nie veröffentlichten Solo-Album „Hearse Of The Year Show“ [Die Leichenwagen des Jahresrückblicks] so eindrucksvollen besungenen „Moments Of Clarity“, erreichten meine Gedanken auch nach jahrelangem Kronenkonsum eine erstaunliche Präzision, die es mir ermöglichte, zwischen Wahrheiten und Unwahrheiten nicht nur zu unterscheiden, sondern auch in den zielgerichtet gestreuten Unwahrheiten die Wahrheiten auszumachen.

Ich war Dembowski! Und ich war Legende!

Marco Reus also. Es verwunderte mich zusehends, dass niemand in den verzweifelten Angriffen Rummenigges, in den „er muss aber in der Bundesliga bleiben“-Klagegesängen, in der beschwörenden Abwehrhaltung Watzkes und den unzähligen Äußerungen sämtlicher europäischer Top-Vereine ein Schema ausmachen konnte.

Sie alle hatten Reus aufgegeben!

Nur Aki Watzke nicht. Denn der hatte längst einen Plan.

Wenn wir ihn nicht haben können, dann soll ihn niemand haben. Zumindest nicht in Europa. Und so kam es Watzke gerade recht, dass der Fußball mittlerweile zu einem weltweiten Milliardengeschäft geworden war, in dem es längst darum ging, mit ungewöhnlichen Aktionen langfristig Fans und somit natürlich auch Kunden zu gewinnen.

In den Jahren seit der Weltmeisterschaft 1994 hatte sich im einst brachliegenden US-Markt eine neue Profiliga entwickelt. Erst belächelte man sie, und verwies auf die Fort Lauderdale Strikers, auf New York Cosmos und kramte noch einmal Karl-Heinz Granitza hervor. Der Lünener Stürmer, der es in Chicago dereinst zu bescheidenem Ruhm gebracht hatte. 

Aber die Zeiten hatten sich geändert. Fußball war längst in den USA angekommen, und natürlich hatte dies auch mit Jürgen Klinsmann  zu tun, aber vor allen Dingen war es auf den großen Fußball-Boom zurückzuführen.

Längst war das geliebte Spiel der letzte verbliebene globale Sport, und somit auch ein Systemvergleich. Wer war besser, welcher Weg führte zum Erfolg. Wie fördern wir unseren Nachwuchs, und welche Arbeitskräfte importieren wir, und wer leistet wertvolle Aufbauarbeit jenseits der Landesgrenzen? Wer mehrt unseren Ruhm und welches Bild transportieren wir in die Welt? Das waren die Fragen, deren Antwort auch der Fußball gab, der ohnehin, von zahlreichen Korruptionsfällen geplagt, nichts weiter als ein Spiegelbild der Gesellschaft des frühen 21 Jahrhunderts war, und, noch besser!, weiterhin komplett westlich dominiert wird. Der Kolonialismus hatte sich verlagert, hier konnte man ihn noch offen bestaunen und von der Eroberung der Welt träumen!

Wie in der westlichen Geschichtsschreibung üblich begann es in England, und zog von dort in die Welt hinaus. Europa, Asien, Afrika, Australien, Südamerika sowieso. Die Spanier waren immer die ersten. Jetzt also Nordamerika, und nicht im Holger Osieck-Style.

Hier lagen die Millionen auf der Straße. Sie mussten nur aufgesammelt werden.

Doch noch fehlte ein Pionier. Jemand, der es wagte, die Grenzen zu durchbrechen. Und es fehlte ein Visionär, der dem Pionier diese zu durchbrechenden Grenzen aufzeigte.

Aki Watzke war der Visionär. Marco Reus war der Pionier.

Mit 25 Jahren war es Reus durch eine Verkettung zahlreicher Unglücke immer noch ohne großen Titel. Er war immer zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort. Das wollte er nun ändern. Reus träumte von Titeln, von einer glanzvollen Karriere, und davon, dass sein Name auf ewig nachhallen würde. In einer Spielgeneration, die mit den Protagonisten Cristiano Ronaldo und Lionel Messi niemanden nur annähernd de Chance ließ, nicht mit der Einschränkung „aber Ronaldo, aber Messi“ genannt zu werden, musste man ungewöhnliche Wege beschreiten.

Da kam dem Dortmunder Mittelfeldstar der Aufstieg des Fußballs in den USA gerade recht. Schon vor Monaten hatte es den ersten Kontakt zwischen der MLS und Reus gegeben. Man hatte sich geeinigt, nur der Verein stand noch nicht fest. Im Juni 2015 würde er den Sprung wagen.

Die MLS strebte eine globale Dominanz an. Nicht jetzt, und auch nicht in den nächsten fünf Jahren. Doch spätestens zur Weltmeisterschaft 2026 wollten die Amerikaner nicht nur eine ernstzunehmender Titelkandidat sein, nein, dann wollten sie am ersten Ziel ihrer Träume angekommen sein. Das erste nicht-europäische und nicht-südamerikanische Land mit einem Fußball-Weltmeistertitel auf dem Briefkopf.

Marco Reus würde der Ausgangspunkt dieser Entwicklung sein. Er lernte seit Monaten Spanisch. Das war nur auf dem ersten Blick verwirrend. Denn längst hatte die MLS ihre Augen auch auf den zerfallenden Markt in Mexiko gerichtet. Das Nachbarland zerfiel, doch die Fans waren zu wichtig, zu fanatisch, und zu bunt, um sie nicht in das Bild einer aufstrebenden Fußballnation einzubinden. Für 2016 planten beide Ligen einen gemeinsamen Cup. Es sollte nur der erste Schritt sein.

Marco Reus lernte auch Spanisch, um der „Mexican community“ in Chicago, in Los Angeles und New York von seinen Abenteuern, von seinen Plänen zu erzählen, und um bei den Gastspielen in Mexico das bescheidene, aber erfolgreiche Gesicht der MLS zu geben.

Dass Reus in den Staaten Titel sammeln würde, stand ohnehin außer Frage. Die Liga hatte ihm ein Team gespickt mit Stars versprochen, und sein Ausrüster Puma sich längst bereit erklärt, große Teile des Gehalts zu übernehmen. Reus würde das Gesicht des USA-Feldzugs werden, den der Ausrüster längst gestartet hatte.

In den letzten Monaten war Puma  gemeinsam mit Borussia Dortmund zahlreiche Partnerschaften mit unterklassigen US-Clubs eingegangen. Es war eine klassische Graswurzel-Kampagne. Der Ausrüster und der BVB gingen auf die Menschen zu, sie gewannen die Herzen der Menschen  und markierten ihre Landgewinne auf überdimensionierten Landkarten in den Schaltzentralen ihrer jeweiligen Macht.

Mit dem anstehenden Marco Reus-Wechsel, mit dem Sprung des gebürtigen Dortmunders, würden sowohl Puma als auch Dortmund mit einem Handstreich weite Teile der Staaten als Borussen-Gebiet markieren können. Was den Bayern mit großer Finanzkraft nicht gelungen war, würde dem BVB sofort gelingen. Aus gut informierten Kreisen hörte man, wenn man wollte, Umsatzzahlen, die weit über denen von Real Madrid, von Barcelona oder Manchester United lagen.


Wer eine Supermacht im europäischen Fußball werden wollte, musste ungewöhnliche Wege gehen, und manchmal sogar seinen besten und begehrtesten Spieler opfern. Noch verschleierten die Beteiligten diese aufziehende Weltsensation, doch ich hatte es längst erkannt, und ich war begeistert, wie detailliert, wie konzentriert,  und wie inspiriert der BVB weiter an dem Leuchtturm baute, der doch scheinbar vom Einsturz bedroht war, aber bald schon heller leuchten würde als alle anderen Leuchttürme der europäischen Fußballwelt. 

Dienstag, 9. Dezember 2014

2014 - deal done!

Wo anfangen, wenn kein Anfang in Sicht, wenn alles, was folgen wird, nur ein Gefühl ist?

Rasenball Leipzig wäre ein Ausgangspunkt.

Der Weg in den bezahlten Fußball, unter Umkehrung der Verhältnisse. Erst war da das Produkt, und dann war der Sport, der Massen bewegte und die Stadt, der es nach Bundesliga dürstete, die von den Jahren der Gewalt ausgezerrt war. Einfach nur Fußball. Nicht nur im Fernsehen, und nicht so chaotisch wie in Leipzig oder, dachte das überhaupt wer?, wie in Dresden.

Überhaupt der Osten.

Cottbus, Rostock, Dresden. Die Bundesliga nur noch eine ferne Erinnerung.

„Das ist das letzte große Spiel für eine lange Zeit“. Der Satz, gesprochen von einem Hansa-Fan vor dem 3.Ligaspiel, hallte nach. Neben ihm hatte jemand ins Gebüsch gekotzt. „Erst wollte ich mit Hansa ins internationale Geschäft, dann die Liga halten. Danach nur noch 2. Ligafußball. Jetzt: Überleben! Aber das werden wir nicht.“

Wenig später beschossen Dresdener Rostocker, und die verloren später, auf dem Heimweg, die Nerven.

Diese Idioten.

Oder nicht. Woher kam die Gewalt? Diese Frage wurde nur noch selten gestellt, noch seltener beantwortet. Sie war da. Und sie machte Angst. Das gab es beim Rasenball nicht.

Denn sie waren anders.  Und würden ganz oben ankommen.

Diese Gewissheit beruhigte. Erfolg war kalkulierbar, Erfolg konnte durch Geld beschleunigt werden. Es gab kein Grund, Geld in Unvermögen und Misswirtschaft zu investieren. Das versprach keinen Erfolg.

Stop. Neuanfang. Dembowski! Rede nicht so geschwollen. 

Auf Anfang zurück.

Wie beschissen das Jahr schon losging.

Kuba. An der Seitenlinie. Das Jahr nach sechs Minuten vorbei. Es hätte auch so nicht weitergehen müssen. Es folgten Katastrophen in loser Folge. Eine endlos dem langweiligen Ende entgegentaumelnde Bundesligasaison, ein Highlight in der Champions League. Aber ohne Nachhaltigkeit. 2-0 gegen Madrid.

Aber die Tür war auf. Für Reus ohnehin, doch Erik Durm, auf der Basis eines Spiels, Roman Weidenfeller und sogar Kevin stürmten hindurch. Für Schmelzer ging es zu schnell. Trotz Pokalendspiel.

Das in die Hose ging. Wegen Meyer und sowieso. Die Hoffnungen, aber auch das Ausbleiben des 2012er-Gefühls. Aufwachen. Und diese Wut. Ausgeraubt. Wie bereits 2013. So wurde es noch eine super, super Debütsaison. Sonst blieb nichts hängen. Die Spiele um die Bedeutungslosigkeit. Was diese Liga zur stärksten Liga der Welt macht.

Es sollte noch besser kommen.

Reus verletzt. Aber Götze historisch. Ein Stich ins Herz der Dortmunder Seele. Er hätte ein Borusse sein können. Ein Land in Aufruhr. Jetzt wird man es doch auch einmal sagen dürfen. Nationalistische Gesänge in der Nacht. Ein U-Bahnhof in einem Berliner Außenbezirk.

Da war ich am 13.Juli 2014, Herr Opdenhövel.  Und ich muss Ihnen sagen, ich fand es scheiße!  

Verschwörungstheorien.

Komm mir nicht mit Deinen, ich lebe meine.  

Die Auswüchse der Mainstreammedien. Zwei Flugzeuge fallen vom Himmel. Das eine ins Meer, das andere auf die Sollbruchstelle. Was passierte mit MH17 und wo ist MH370?

Wenig später verkünden alte Männer ihre Wahrheiten über die Zukunft des Fußballsports. Im Schleier der Nebelgranaten hochrangigster Funktionäre verschwinden die Erklärungsversuche im Nichts. Wer klärt auf, und wer profitiert? Wer schweigt, und wer kommentiert? Wer trainiert im Winter wo, und wessen Sohn hat einen neuen Job?

Einmal den Namen diskutieren, so wie Rummenigge es macht. Er ist seine eigener Markus Lanz, er redet im privaten Rahmen, ganz unter uns, jetzt aber Hand aufs Herz. 

Wenn uns nichts mehr einfällt, verzweifeln wir. Die Kommentatoren des Untergangs.

Sie sind zurückgetreten. Noch einmal. Der deutsche Siegeszug. Die Maschine funktioniert. Sie ist fein, sie lebt vom Mittelfeld. Die deutsche Tugend. Wenn jetzt noch alle mitsingen. Müller verliert ne Wette. Die Mannschaft tanzt. One Night In Rio. Im Campo fand sich dieses Team. Die Eistonne – ein Versöhnungsgespräch unter Freunden. Sky News HD übertragt live vom Brandenburger Tor. So gehen die Gauchos, und das Feuilleton das diskutiert so. Was wird man schon noch sagen können.

Hooligans gegen Salafisten. Darunter auch Rechtsextreme. Wir müssen die Einsatzkosten umlegen. Wendt. Warum beachtet uns keiner? Weil ihr zu still seid.

Verschwörungstheorien. In Dresden marschieren 10.000, Naidoo fährt mit dem Fahrrad nach Berlin. Die Deutschland GmbH. Luftballons zerschießen Chemtrails über dem deutschen Flüchtlingshimmel. Europa ist sicher, wenn man ihnen die Pässe wegnimmt. Früher ausgewiesen, heute hiergeblieben!

Mainstreammedien ohne Deutungshoheit. Lügenpresse auf die Fresse. Im Leben und im Spiel. Sie verfolgen ihre Agenda. Sie vertreten Ihre Interessen.

Der Fußball zerfällt. In Einzelteile. 

Der Schiedsrichter hier, der Taktiker da, der Fan hier. 

Instagram, Facebook, Twitter. Ich weiß, was Du von mir wissen sollst.

#isso #justproud #evenstronger #faith

Geld regiert im Rennen um Amerika, um Asien, um die Welt. Markenbotschafter, Leuchttürme, 100.000 verkaufte Trikots in vier Stunden. Wir sind anders, trotz echter Krise! Im Untergang lässt der charmante Trainer Stil vermissen.

90-tägige Sperren, die nie existierten. Die Besichtigung eines Gefängnistrakts. Wir kämpfen für Euch. Schaut auf diesen Präsidenten, aber nicht beim Mittagsessen.

HSV-Joe, HSV-Plus, Ferrari-Joe, Kühne, Kreuzer, Slomka, Calhanoglu.

Unter Bartlett rennen sie immer.  Auch wenn Völler jammert.

Paderborn verrückt. Sogar mit Ente. Aber Bakalorz tritt. Treter oder Opfer? Wo nur eine Zeitung, da nur eine Meinung. 

Heldt, Keller, Tönnies, Di Matteo und 80 Millionen. Der Junge ist unsere Zukunft, aber wir können ihn nicht schützen. Einstiegsgebot: 50 Millionen. Die Attacker der Premier-League-Krieger abgewehrt. 

Hinfort mit den Kriegs-Metaphern. 

In Hamburg und Hannover gibt es keine Fans mehr. 

Bayern-Jäger: Leverkusen, Gladbach, Wolfsburg, Augsburg, Frankfurt.

Red Bull, Audi, Opel, VW, Telekom, Signal-Iduna, Puma.

Her mit dem Videobeweis. In Stuttgart sind die Tribünen leer.

Deal done? Maybe summer!

Ein super, super Trainer. Wie er an der Seitenlinie tanzt, Und schau auf diese innigen Berührungen. Auf Jahre hin unschlagbar. Und wäre es nicht besser, wenn niemand mehr das Land verlässt?

Ein Kneipenwirt im Bademantel. Ein Ermittler mit Sponsorenvertrag.

2014, was zum Teufel war eigentlich los mit Dir?